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Fr, 20.04.2018
Kino | Birdy
Der Vogelmensch4 Sterne
Diesmal hat der äußerst vielseitige Regisseur Alan Parker eine Psychostudie einer Jugendfreundschaft gemacht und sich damit einer Generation angenommen, die vom Vietnam Krieg geprägt worden ist. Al (Nicolas Cage) und Birdy (Matthew Modine) kennen sich noch aus der Schulzeit. Birdy macht seinem Spitznamen alle Ehre. Er liebt Tauben und Kanarienvögel, baut Flugmaschinen und hat mit Mädchen nichts am Hut. Selbst als sich sein Girl nach der High-School Fete im Auto oben freimacht, kann er mit den weiblichen Kostbarkeiten nichts anfangen, die ihm da geboten werden. Ganz im Gegensatz zu seinem Freund Al. Erzählt wird auf drei Ebenen: zwei sind Retros handeln von Elternhaus und Schulzeit, eine spielt in der Jetztzeit. Hier befinden wir uns in der Psychiatrie. Birdy ist vom Krieg traumatisiert. Er hockt reglos in einer Ecke und schaut quer an die Decke. Die Schulmedizin ist ratlos, kann ihn nicht erreichen. Das gelingt seinem Kumpel Al. Der konfrontiert ihn mit Gegenständen aus der gemeinsamen Schulzeit, füttert ihn und drückt ihn ganz fest an sich. Und er hat Kritisches anzumerken ‘In jedem anderen Krieg wären wir Helden gewesen‘. Und das trifft genau den Punkt. Noch nie hatte Amerika einen Krieg verloren. Den hier schon. Und Verlierer sind doch keine Helden. An Als Brust weint er sich wieder in die Realität. Als Schluss hält Parker noch ein überraschendes Ende parat. Klar, dass beide sich den Weg aufs Dach frei kämpfen und klar, dass Birdy fliegen möchte. Er springt auch. . Al :‘Nein! Birdy!‘…Letztes Wort hat Birdy ‚‘Was ist?‘ So endet der Film weder in Lourdes noch auf dem Friedhof. Und darauf kam es Parker wohl an: die Deformation die schon vorher angelegt war, kristallisiert sich nach dem Trauma nur deutlicher heraus. Eindrucksvoll.
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Di, 17.04.2018
Kino | Misery
Alles Elend dieser Welt4 Sterne
Eine Wahnsinnsverfilmung von Stephen Kings ‘She‘. Gemeint ist damit Annie (Oscar für Kathy Bates), die den verunglückten Bestsellerautor Paul Sheldon (James Caan) rettet, dann zu ihrem Gefangenen macht, foltert und sogar einen gemeinsamen Suizid plant. Der Titel kommt mehrfach vor: von Annies Hausschwein bis hin zu Pauls Romanen. Die Steigerung von Annie Wilkes ist wunderbar herausgearbeitet: von einem unbedeutenden Moppelchen und absoluten Fan über die Krankenpflegerin bis hin zum Folterknecht. Daneben werden Details über Annies früheres kriminelles Leben bekannt und erste Anzeichen von einer massiven Psychischen Störung. Ein Machtkampf zwischen den beiden liefert Spannung der subtileren Art. Paul gibt sich kooperativ, versucht Annie in Sicherheit zu wiegen. Erst als das nicht klappt, kämpfen beide mit offenem Visier, was in einer brutalen Schlägerei endet. Zuvor kommen Messer und Feuer, Spritzen und KO Tropfen zum Einsatz. Parallel zu diesem Handlungsstrang läuft die polizeiliche Ermittlung von Sheriff McCain (Richard Farnsworth), der mit seiner Frau (Frances Sternhagen), als Deputy für verhaltene Komik sorgt. Gelungen ist die Tatsache, dass man sich nicht die Rettungsdetails anschauen muss, nachdem klar ist, wer als Sieger in diesem ungleichen Kampf hervorgegangen ist. Stattdessen ein echter Stephen King Schluss: Paul sitzt mit Agentin Marcia (Laureen Bacall) in einem Restaurant. Als Paul meint, Annie in manchen Zeitgenossen immer noch wiederzuerkennen, kommt eine Bedienung (eingeblendet auch mal Kathy Bates), daher und outet sich als sein größter Fan…Wie so oft verabschiedet sich King mit einem Schmunzler. Dazu gehört auch, dass man Regisseur Rob Reiner als Hubschrauberpilot der Polizei sieht. Hochspannung mit Klassik (z.B. der Mondscheinsonate) unterlegt. Oberste Kategorie der Filmkunst.
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Mi, 11.04.2018
Kino | Die phantastische Reise
Laser OP mit U-Boot3 Sterne
In den 60er Jahren stimmte der Titel in zweifacher Hinsicht: es war eine heftige Science Fiction Story, (also nur in der Fantasie möglich, dass ein U-Boot samt Besatzung auf Mikrobengröße geschrumpft, in die Blutbahn eines gewissen Dr. Benes injiziert wird, um dann vor Ort ein Blutgerinnsel in dessen Gehirn mittels einer Laserkanone zu entfernen). Zum Zweiten ist es eine wunderschöne Reise im Innern eines Menschen. Das Herz muss kurz angehalten werden, sonst wäre die Crew samt Proband erledigt gewesen. Bei der Durchfahrt durch die Lunge gibt es einen Riesensturm. Die Crew passiert Kabillarsysteme sowie Lymphknoten und muss sich mit Antikörpern auseinandersetzen. Und doch ist es Regisseur Richard Fleischer gelungen, kein Seminar für Anatomie daraus zu machen. Weil wir mitten im Kalten Krieg sind, ist Dr. Benes ein Überläufer aus dem Osten, dem diese lebensrettende OP zuteilwird. Zwecks Erhöhung der Spannung ist ein Saboteur in der Mannschaft, der das Unternehmen gefährden will. Hier ist Donald Pleasence, der geheimnisvolle Psychopath vom Dienst die Bestbesetzung. Gegen ihn setzen sich der Agent Grant (Stephen Boyd) und die Assistentin Cora (Raquel Welsh) durch. Sie ist das Sexsymbol der 60er Jahre und hatte hier ihren Durchbruch. Wie die Crew das ‘rettende Ufer‘ erreicht, indem sie durch den Sehnerv schwimmt und am Ende alle munter in einer Träne plantschen ist gut gemacht. Die Illusion wurde überhaupt erst aufgebaut, indem Außen- und Innenansicht ständig wechselten: mal agieren die Wissenschaftler im U-Boot, dann gleitet es winzig klein durch Arterien bzw. die Crew ist in voller Tauchermontur im Außendienst. Nur eine Frage bleibt: was passiert mit dem zurückgelassenen U-Boot, das ‘Proteus‘ heißt. Bei den alten Griechen konnte Proteus seine Gestalt verändern. Wie gesagt, nach 60 Minuten sollte sich alles wieder vergrößern…? Wenn man sich Mühe gibt, kann man der Illusion durchaus folgen. Fast schon ein Klassiker.
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Di, 10.04.2018
Kino | Rob Roy
Um die Ehre4 Sterne
Ein spannender und zugleich ergreifender Film von Michael Caton-Jones, der im 18. Jahrhundert in den schottischen Highlands spielt. Vor dieser malerischen Kulisse spielt sich ein Drama um Mord, Lug und Trug, Rache und Vergeltung ab. Durch die Betonung des innigen Verhältnisses innerhalb der Familie von Robert Roy MacGregor (Liam Neeson) und seiner Frau Mary (Jessica Lange) geht die später ihnen zugefügte Schmach besonders unter die Haut. Wegen eines Darlehens gerät Rob ohne eigenes Verschulden in die Bredouille. Eine boshaft geldgierige Gang besteht aus dem Marquis von Montrose (John Hurt), dessen unehelichem Sohn und Mörder Archibald (Tim Roth) und dem Verwalter Killearn (Brian Cox). Sie machen Jagd auf die MacGregors und Archie tut ihm dabei das Schlimmste an, was man einem Mann, der um seine Ehre kämpft, antun kann: sein Haus wird in Brand gesetzt, sein Vieh (die wunderschönen Hochlandrinder mit ihrem rotbraunen, zotteligen Fell und den weitausladenden Hörnern) getötet und seine Frau vergewaltigt. Eine actionreiche Verfolgung des ehrlichen Außenseiters durch den Oberschurken Archibald quer durch die Highlands dreht an der Spannungsschraube bis zum Anschlag. Pointierte Dialoge, die oft eine Szene mit einem Bonmot abschließen erhöhen den Unterhaltungswert. Und Tim Roth in einer seiner fiesesten Rollen (dafür gab’s Preise und Nominierungen): im Umgang mit seinem Vater, dem Marquis, ist er höfisch galant und servil, sonst menschlich brutal, durch und durch ein Schwein. Das musste Mary leidvoll erfahren. In dieser schottischen Aristokratie, buhlen die Vertreter des Adels um die Gunst des englischen Königs. So kommt noch der Herzog von Argyll (Andrew Keir) ins Spiel, der sich mit dem Marquis über ein Gottesurteil der beiden Kontrahenten verständigt: Rob Roy gegen Archibald. Für den Adel ist es Unterhaltung, bei der man Wetten abschließt, für die Beteiligten ein Kampf auf Leben und Tod. So unerbittlich die Auseinandersetzung, so süß das Ende, das alle Rachegelüste befriedigt.
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So, 08.04.2018
TV | Augustinus
Suche nach der Wahrheit4 Sterne
Ein solide gemachtes Biopic des großen Kirchenlehrers, das wegen zweierlei Dingen bemerkenswert ist: Dialoge mit Niveau lassen ausgiebig Zeit das Besprochene gedanklich nachzuvollziehen. Wenn es öffentliche Streitgespräche von Vertretern verschiedener religiöser Richtungen gibt (z.B. Manichäer und Donatisten), von denen die Katholiken nur eine unter vielen waren, kann man sich ja anschließend bei Google schlaumachen. Aber auch die Action kommt nicht zu kurz. Des Weiteren ist es ein wichtiges Merkmal des Zweiteilers, den Kirchenlehrer vom Sockel geholt zu haben, der es als junger Mann ja ganz schön krachen ließ mit Wine, Women and Song. Er hat sogar einen Sohn von der schönen Khalida (Serena Rossi). Es wird in zwei Zeitebenen erzählt: den alten Mann stellt Franco Nero dar, den jungen Alessandro Preziosi. Und der Ort der Handlung liegt abwechselnd in Italien und Nordafrika. Für einen Fernsehfilm ist es ganz schön aufwendig und monumental gemacht. Das historische Umfeld um 400 n. Chr. mit den Vandalen bleibt etwas kryptisch, stört aber nicht weiter: die Message ist klar: Liebet einander! Nur Valerius (Alexander Held) stört etwas, weil es nicht leicht ist ihn einzuordnen. Die Fülle deutscher Darsteller, die wir meist aus Serien kennen, ist auffallend: z.B. Dietrich Hollinder-Bäumer, Sebastian Ströbel oder Aglaia Szyszkowitz oder Johannes Brandrup. Es wird die innere Wandlung des Augustinus erklärt mit einem Phoenix-Effekt und einem Erweckungserlebnis. Dabei spielt seine Mutter Monica (Monica Guerritore), die bereits Christin ist, eine wichtige Rolle für die emotionale Wandlung des Augustinus. Bischof Ambrosius (Andrea Giordana) ist für seine Gesinnungsänderung zuständig. Eine beachtliche europäische Großproduktion.
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Di, 03.04.2018
TV | Schnee am Kilimandscharo
Ein Melodram & der Hauch des Todes4 Sterne
Das ist nicht nur Henry Kings bester Film, sondern auch eines der ergreifendsten Melodramen der Geschichte Hollywoods. Außerdem bietet es eine Erzählform vom Feinsten d.h. mit Retros innerhalb der Retrospektive und ein glückliches Ende. Inhaltlich ist es stellenweise heute etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man an Großwildjagd und das hemingwaysche Gestaltungsprinzip denkt: ‘Jagen ist männlich, denn dazu gehört Mut‘. Die weibliche Sicht der Dinge gibt es auch: ‘Jagen ist Töten und Töten ist furchtbar‘. Doch davon einmal abgesehen reiste der Schriftsteller Harry Street (Gregory Peck) durch Europa und Afrika. Jetzt liegt er mit einer bösen Wundinfektion in der Savanne und während er auf Hilfe wartet, pflegt ihn seine Frau Helen (Susan Hayward). Sein Leben, d.h. seine Romane und seinen Frauen lässt er in Fieberträumen nochmals revuepassieren. Die große Liebe war wohl Cynthia (Ava Gardner). Er wurde von brennendem Ehrgeiz getrieben, sie von Schuldgefühlen heimgesucht. So verlor er sie und traf sie erst im spanischen Bürgerkrieg wieder, als sie bereits im Sterben lag. Dann die kurze Affäre mit Gräfin Liz (Hildegard Knef), einer Künstlerin, die ihn auch nicht verstand und umgekehrt. Eigentlich passte Helen am besten zu ihm. Sie liebte die Jagd genauso wie Harry, hatte die Reise samt Vorschuss vom Verleger organisiert. Ihre Rededuelle aus Hassliebe gemischt mit seinem Pessimismus und ihrem Optimismus halten die Spannung hoch und bringen das glückliche Ende überzeugend zum Ausdruck. Den literarischen Anspruch garantieren die offensichtlich wartenden Geier auf einem nahen Baum und die um das Lager herumstreifende Hyäne, die den Tod riechen kann. Wichtigster Diskussionspunkt ist aber das Rätsel vom Leoparden, der im Eis unterhalb des Gipfels erfroren sein musste. ‘ Wie kam es dazu?‘… Die OP im Zelt ist spannend, die Geier sind weggeflogen… Und wer das Feeling der 60er Jahre nachempfinden möchte - einen echten Schwof Blues mit Taktschlag in die Stille sucht - sollte sich auf You Tube den Song ‘Les neiges du Kilimadjaro‘ von Pascal Danel reinziehen.
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Sa, 31.03.2018
Kino | Die Vorleserin - La lectrice
Sex für Ohr und Auge4 Sterne
Eine intelligente Sex Komödie nicht nur für Leseratten. Marie ist glücklich verheiratet und weil sie eine schöne Stimme hat, liest sie auf Bestellung den Leuten etwas vor. Natürlich passt der Stoff immer zu den ganz unterschiedlichen Kunden bzw. der Situation, in der sie sich befinden: ein junger Mann im Rollstuhl (Régis Royer) lauscht zu ‘Die Blumen des Bösen‘, eine alte, fast blinde, russische Generalin (Maria Casares), der sie Lenin Texte und Gorki vorliest, ein kleines Mädchen, das noch nicht lesen kann, hört bei Alice im Wunderland zu und ein Manager (Patrick Chesnais), der es mit Marie beinahe bis zur Kleiderlosigkeit geschafft hätte, wählt Margerite Duras ‘Der Liebhaber‘. Alle wollen von ihr mehr als sich bloß vorlesen zu lassen. Ihre Ohren hören zu, während ihre Augen sie still genießen. Michel Deville, hat diesen Film für seine Freundin Miou Miou gemacht und sie anspruchsvoll in Szene gesetzt. Es gelingt ihr auf die Wünsche ihrer Kunden einzugehen ohne sich zu prostituieren. Ein Balanceakt bei dem das sexuelle Verlangen zwischen den Zeilen knistert. Und die Lektüre passt jeweils wie die Faust aufs Auge. Als sie am Ende bei einem reichen Witwer (Pierre Dux) schlüpfrig scharfe Texte lesen soll und der noch den durchgeknallten Arzt der Stadt samt Polizeikommissar dazu lädt, reicht es Marie und sie hört auf. Aber das ist wie sie sagt nicht das Ende, nur der Schluss des Films. Zuvor waren Maries Aktivitäten als sie dem Manager etwas vorgelesen hatte, in Richtung pantomimischer GV abgegangen, eine artistische Meisterleistung Es wird schon mal unter der Bettdecke gefummelt oder die Hand auf ihre Brust gelegt. In dem Moment aber, bevor es schwül und mulmig werden könnte, dreht Marie mit einem gekonnten Schlenker ab. Und so ist der Zuschauer genau wie der Kunde in der gleichen Situation: er hört und genießt dieses sinnliche Gedankenspiel, ganz frei, locker und ungezwungen.
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Mi, 28.03.2018
Kino | Vera Cruz
Goldrausch3 Sterne
“Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!“ (Goethe) Ein etwas angestaubter Klassiker, der im mexikanischen Bürgerkrieg spielt so Mitte des 19. Jahrhunderts. Es geht um Gold und wer der klügste ist, es zu bekommen, ohne teilen zu müssen. Und darum bemühen sich u.a. die aufständischen Bauern sowie die Regierung des glücklosen Kaisers Maximilian. Dann gibt es noch die beiden Hauptdarsteller, die dem Film noch etwas Glanz verleihen: der vom Krieg in den USA enttäuschte Ben Trane (Gary Cooper) und der Pistolero und Bandenchef Joe (Burt Lancaster). Ben ist die ehrliche Haut, Joe der listige Hallodri. Beiden stehen zwei Schönheiten jeweils zur Seite: Joe fühlt sich zu der gleichgesinnten, zwielichtigen Gräfin Marie (Denise Darcel) hingezogen, während der edle Ben mit der Taschendiebin Nina (Sara Montiel) anbandelt. Weil jeder begierig hinter dem Gold her ist, traut keine keinem, aber alle wollen und müssen nach Vera Cruz. Das leicht vorhersehbare Ende wird von den Promis in den Nebenrollen wie z.B. Ernest Borgnine und Charles Bronson verziert und die gelegentlich aufblitzende Ironie verbessert die nicht übermäßig spannende Handlung. Dieser frühe Robert Aldrich Film kommt mit einer zu großen Anzahl an Goldgierigen daher und hat mehrere Knacks im Plot: da wird z.B. dem angeschossenen Joe im Stehen an einer Hausecke eine Kugel rausgedoktert, man fragt sich, wer denn die ‘Juaristen‘ seien und der Weitertransport des Goldes über einen ominösen Kapitän per Schiff ist etwas kryptisch eingesetzt. Star Kintop der 50er Jahre halt. Man nimmt es nicht so genau mit den Leinwandhelden: Hauptsache viel Ballerei und Pulverdampf. Ein echtes Abenteuer ohne Tiefgang.
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Di, 27.03.2018
TV | Ein Mann in Nöten
Voller Widersprüche - nichts über Robert2 Sterne
Der Film ist nicht nur dialoglastig, sondern er lebt von den Widersprüchen innerhalb der Dialoge. Die Personen wechseln ständig die Spielart: von einschmeichelnder Liebelei zu beleidigenden Vorwürfen liegt oft nur ein Atemzug. Fast alle leben nach dem hedonistischen Zufallsprinzip mit Orientierungsschwierigkeiten. So wie die beiden Didier (Fabrice Luchini) und Juliette (Sandrine Kiberlain), die zwar ein Paar sind, doch sich unentwegt beschimpfen bzw. sie versucht ihn zu verletzen, indem sie ihm ihre Liebesabenteuer en détail (mit dem Rein-Raus Spielchen) schildert. Am Ende gesteht sie ihm zwar ganz cool ihre Liebe, doch fährt sie mit ihrem Seitensprung Alain (Édouard Baer), den sie angeblich hasst, davon. Dieses Widerspruchsprinzip wird konsequent durchgehalten. Die Einzige, die Didier wirklich liebt, ist Aurelie (Valentina-Artemisia-Cervi) und ausgerechnet der muss er am Ende gestehen, dass er sie nicht liebt. Ist es die oberflächliche Flatterhaftigkeit unserer Gesellschaft oder die Bindungsunfähigkeit, die hier karikiert werden? Oder einfach die Sinnlosigkeit des Lebens, für die hier Lord Ariel (Michel Piccoli) mit unterschiedlichem Timbre in der Stimme wettert. Bei ihm scheint nur eins klar zu sein: die Intellektuellen sind meistens verbale Wichser. Auch die Figuren des familiären Umfeldes mit Didiers Eltern und seinem Bruder agieren genau in diesem Sinne. Kaum geht einer einen Schritt auf den anderen zu, bekommt er eine verbale kalte Dusche. So ist eine Identifikation mit einer der Personen unmöglich. Kann und soll man sich für niemanden persönlich erwärmen? Mir ist das zu kalt. Und wer und wo ist eigentlich ‘Robert‘, den der Originaltitel benennt? Der hat sich vielleicht mitsamt der Komödie vorzeitig verabschiedet.

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