Sa, 17.04.2010TV | Die Tür der VersuchungTrauerarbeitOhne den Titel des Originals „Die Tür im Fußboden“ versteht man die letzte Einstellung nicht. Damit wird der Symbolik aber mehr als ausreichend Tribut gezollt. Der Film stellt nur einen Teil des Romans von John Irving „Witwe für ein Jahr“ dar und muss folglich stark vereinfachen. Es zieht sich aber alles ganz schön in die Länge und man fragt sich nach dem Kern: Unglücklich Verheiratete (Kim Basinger) verführt College Boy - also eine Dreiecksgeschichte oder wie verarbeiten die beiden Eltern jeweils ein traumatisches Ereignis? Es sieht so aus als würde beides mit einander zusammenhängen. Zumindest kann man bei genauerem Hinsehen und mit viel Fantasie die unterschiedliche Trauerarbeit in einer kaputten Ehe ausmachen. Jeff Bridges - „eingebildet wie ein undichtes Kondom“(John Irving) gibt als Ehemann den egozentrischen Künstler. Auch die unfreiwillige Komik in der zweiten Hälfte, kann das Gähnen nicht verhindern. Der Versuch der tiefenpsychologischen Durchleuchtung ist nicht ganz geglückt. | |
Do, 15.04.2010TV | Mr. Shi und der Gesang der ZikadenVergangenheitsbewältigungRegisseur Wayne Wang hat sich immer schon für das Leben der Chinesen in Amerika interessiert. Ein Vater, der in Peking lebt, besucht hier seine Tochter, in den USA. Er behandelt die inzwischen erwachsene Frau immer noch so als sei sie ein Kind. In langen Gesprächen, die immer wieder neue Aspekte aus ihrem gemeinsamen Leben enthüllen, nehmen sie uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Dabei werden moralische Unterschiede zwischen den Generationen deutlich, die teilweise kulturell begründet sind. Auf die gegenseitige Frage nach dem ’warum’ enthüllen Vater und Tochter manch persönliches Geheimnis. Auch die Muttersprache spielt eine wichtige Rolle in der Ausdrucksweise im Gegensatz zur benutzten Fremdsprache. Die Essenz der Dialoge gipfelt in der Feststellung, dass wenn eine Frau einen Mann heiraten will, sollten sie ’tausend Jahre gute Gebete’ gesprochen haben, so der Originaltitel. Ein leiser Film, der für beide Generationen Verständnis zeigt. | |
Do, 15.04.2010TV | Wie eine richtige FamilieMein vietnamesischer Bruder heiratetDie Machart ist recht interessant aber gewöhnungsbedürftig. Denn wer macht heute schon noch lange Monologe vor der Kamera? Der Film behandelt über weite Strecken hinweg ein ernstes Thema: Aufeinanderprallen von verschiedene Kulturen anlässlich einer Hochzeit. Der Anlass ist völlig nebensächlich, im Mittelpunkt steht eine auseinandergebrochene Familie, die auf heile Welt mimen muss. Latente Konflikte lassen sich nicht länger unter den Teppich kehren. Die Auseinandersetzungen reichen von verbalen Attacken bis zu regelrechten Handgreiflichkeiten. Die zwischendurch vereinzelt entstehende Situationskomik wirkt deshalb doppelt lustig. Im Unterschied zu anderen Filmen, die das Thema behandeln, läuft hier alles nach Plan - das heißt eigentlich aus dem Ruder. Das zerbrochene Porzellan ist nicht mehr zu kitten. Das ist ganz nah an der Realität, ganz ohne sentimentalen Schmus. Die Charakterzeichnung ist so stark und klar, dass sich am Ende niemand verbiegen muss. | |
Mi, 14.04.2010TV | KopsDumm, dümmer, PolizistRegisseur Josef Fares ist kein gebürtiger Schwede. Vielleicht ist ihm deshalb diese recht spaßige, skandinavische Komödie gelungen, in der die Polizei im Mittelpunkt steht. Er geht hier mit den Ordnungshütern recht respektlos um. Dabei treibt er es bis an die Grenze des Slapsticks und ironisiert obendrein noch die Kung Fu Kunststückchen. Das ist von Anfang an so gut gemacht, dass man die Absicht dahinter sofort erkennt. Die dämlichen Typen kommen einem allerdings bisweilen schon peinlich vor. Die sind ja manchmal dümmer als die Polizei erlaubt. Aber die Idee an sich ist neu und kurzweilig umgesetzt. Dass die Love Story offen bleibt spricht für den Film. Und das Ende bietet dann noch eine gelungene Überraschung, mit der man nur noch mal daran erinnert werden soll: alles war nur ein Scherz! Und was das angeht, da sind schon echte Schenkelklopfer dabei. | |
Mo, 12.04.2010TV | This is England - Ende einer KindheitEngland ist überallShane Meadows hat sich immer schon mit Randgruppen und Außenseitern beschäftigt. Hier kennt er sich aus. In diesem Film konzentriert er sich auf die rechtsextreme Ecke der britischen Gesellschaft. Als Partei gibt es da tatsächlich die ’National Front’, die man mit der NPD bei uns vergleichen kann. Ein sensibles Gesellschaftsportrait, das die Gefahren, wie man in die Szene kommen kann, verdeutlicht. Die Darstellung der Anziehungskraft echter Männerfreundschaft und die Akzeptanz in der Gruppe von einem Youngster, der ohne Vater aufwächst und ein Vorbild sucht, ist echt nachvollziehbar. Viele Details machen die Story glaubwürdig und auch Eindruck, vor allem der junge Thomas Turgoose. Wir sehen kein nur für England typisches Gesellschaftsphänomen aus der Thatcher-Ära und dem Falklandkrieg. Dass das überall so passieren kann, zeigen die Nachrichtenbilder am Anfang und am Ende: es sind nationalistische Auswüchse und deren Folgen eben. Immer wieder wichtig, immer wieder anschauen! | |
So, 11.04.2010TV | Der Date ProfiSchurkenschuleDer Originaltitel ist etwas aussagekräftiger: ’Eine Schule für Schurken’, denn das Ziel der Ausbildung ist es, ein rücksichtsloser, egoistischer Macho zu werden, dem in Zukunft alles gelingt, weil er sich alles einfach nimmt. Dass es dazu etwas fragwürdiger Methoden bedarf, ist klar und manche Episoden sind auch etwas an den Haaren herbeigezogen. Man ahnt den Fake schon bald (erinnert sich an ähnliche Spielchen aus anderen Filmen), auch das Ende der Love Story. Trotzdem ist es mittelprächtige Unterhaltung, die im Abspann noch zur Höchstform aufläuft und schmunzelnd den ironischen Zeigefinger hebt. | |
Fr, 09.04.2010TV | Irisches IntermezzoAuf nach IrlandEs ist eine solide Literaturverfilmung. Drei Film-Ikonen (Rampling, Ustinov, Noiret, Fred Astaire nur am Rande) agieren in wunderschöner Landschaft und bieten immer noch gute Unterhaltung. Und wenn es um Irland geht (leider nennt man seine Bewohner hier ’Irländer’), darf auch ein gehöriger Schuss Folklore nicht fehlen. Aber das wirkt keineswegs störend, im Gegenteil…
Den Titel des Originals ’Ein lila (malvenfarbenes) Taxi’ versteht nur, wer den Roman von Michel Déon gelesen hat. Für die drei Hauptfiguren ist es ein Zwischenspiel in ihrem Leben, in dem es ständig neue Optionen gibt, wobei manche, liebgewonnenen beibehalten werden. Man lebt nur für den Augenblick, genießt das Jetzt in vollen Zügen. Jeder ist ständig damit beschäftigt, glücklich zu sein. Abgesehen von der stummen Anna (toll Agostina Belli), die merkt es nur nicht. Es macht immer noch Spaß, ihnen dabei zuzusehen, optisch, emotional und lukullisch mit ihnen zu schwelgen. | |
Do, 08.04.2010TV | Hamaca Paraguaya - Eine Hängematte in ParaguayEin Anti-FilmVier Charakteristika machen aus diesem Streifen dann doch schon wieder etwas Besonderes:
es passiert so gut wie nichts, die statische Kameraeinstellung wechselt fast nie, man kann im ständigen Halbdunkel fast nichts erkennen und die spärlichen, sich wiederholenden Dialoge drehen sich um das Wetter, einen bellenden Hund und die eventuelle Heimkehr des Sohnes aus dem Krieg. So gesehen ist es eigentlich gar kein Film, nicht einmal ein vertontes Bilderbuch. Vielleicht ein Versuch die absolute Leere darzustellen, das Nichts als Gegenpol zu dem Etwas. Da ist fast nichts Lebendiges mehr - also etwa das Leben nach dem Tod? Die stille Reglosigkeit der dunklen Wolken? Kann man das Warten sichtbar machen? Doch das geschieht eigentlich nur im Kopf, das ist eine Einstellung. Und wenn man überhaupt keine Erklärung findet, dann sagt man „Es ist eine Parabel!“ | |
Di, 06.04.2010TV | Angel - Ein Leben wie im TraumTraurig im ParadiesEs ist schon ein heftiger Kostümschinken. Dabei sollte es doch um den Aufstieg und Niedergang einer Trivialschriftstellerin (Romola Garai) gehen, die aus bescheidenen Verhältnissen kommt und sich in einen nicht anerkannten Maler quasi als Antipode verliebt, der sie später betrügt. Viele Themen werden angesprochen: die Weltkriegsproblematik: Held oder Pazifist. Macht der Wohlstand satt und träge? Kann man Glück kaufen oder es wenigstens festhalten? Ein außereheliches Kind taucht auf. Krankheit und Selbstmord lassen sich nicht verhindern, ebenso wenig wie Einsamkeit. Alles bleibt letztlich doch an der Oberfläche der monomentalen Ausstattung hängen und hinterlässt einen herben Geschmack. Man pilchert von Event zu Event. Immerhin war ja ganz schön was los in diesem tristen Leben in einem Dornröschen-Schloss, das ’Paradies’ heißt. Vielleicht leben ja Schriftsteller so abgehoben von der Realität, leiden am schuldlos selbstverschuldeten Unglück. | |
Di, 06.04.2010TV | Die TeuflischenDas Biest muss sterbenDer Zuschauer sieht den Mord von der Vorbereitung bis zur Ausführung und die Spannung bleibt. Erst besteht sie weiterhin wegen der beiden unterschiedlichen Frauen (toll die Signoret und die Clouzot). Mal zögert die eine, mal droht die andere das Ganze abzubrechen. Eine krank und schwächlich, die andere robust und willensstark. Mit dem Auftauchen des alten, äußerst liebenswerten Kommissars entsteht ein neues Spannungsgeflecht, bei dem man der Aufklärung entgegenzittert, weil man ahnt und immer mehr Gewissheit bekommt. Und dann am Ende die überraschende Wende, nachdem unsere Nerven aufreibend strapaziert worden waren mit quietschende Türen und raffiniertem Licht- und Schattenspiel. Diese Wende diente mehreren anderen Krimis als Vorlage: innerhalb eines Trios entsteht ein Mord und die beiden Übriggebliebenen werden aus Gegenspielern zu Verbündeten, die ein abgekartetes Spiel geplant hatten. | |
heute von 8martin
Der Originaltitel sagt uns nichts. Der deutsche passt. Altmeister Pakula hat seinen letzten ... mehr
Mi, 19.06.2013 von 8martin
Hier hat Coppola sein Lieblingsthema ‘Mafia‘ mit der Musikszene der Golden Twenties verbunden. ... mehr
Di, 18.06.2013 von 8martin
Verschiedene Geiselnahmen, die alle miteinander irgendwie zusammenhängen, werden durch diverse ... mehr
Di, 18.06.2013 von 8martin
Das ganze Polizeidepartment ist hinter Bruce Willes her. Die Kollegen – angeführt von David ... mehr
Mo, 17.06.2013 von 8martin
Auf den ersten Blick ist es eine leise Sozialstudie über eine Annäherung von René, einer ... mehr