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Di, 05.01.2010
TV | Schwarze Narzisse
Nonnen im Himalaja1 Stern
Ein etwas angestaubter Film aus dem Archiv der vierziger Jahre, als Hollywood auf der Fernostwelle schwamm. Deshalb auch die malerische Bergkulisse des Himalaja. Die Romane von Pearl S. Buck weckten damals das Interesse für China und richteten das Augenmerk der Kinogänger auf diese ganze Region. Vieles kommt uns heute recht betulich vor und die Figuren sind ziemlich klichéhaft. Sie pendeln mit ihren Aktionen zwischen einem heiligen Mann und einer Art Wildhüter hin und her. Der engelgleiche Gesichtsausdruck von Schwester Oberin Deborah Kerr dominiert zwar die Szene, wirkt aber eher einschläfernd. Der einzige Lichtblick ist die noch ganz junge Jean Simons, die als Einheimische etwas Exotik einbringt. Die abtrünnige Nonne wirkt heute etwas lächerlich mit ihrem diabolischen Blick. Trotzdem gab’s damals zwei Oscars. Nicht für die Schauspieler, die Regie oder das Drehbuch - wirklich nicht - sondern für Kamera und Ausstattung.
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Di, 05.01.2010
TV | Das schwarze Buch
Mata Hari4 Sterne
Es ist ein Versuch der Aufarbeitung der holländischen Geschichte: der Film spielt Ende des zweiten Weltkrieges als das Land von den Nazis besetzt war. Hier gerät eine Jüdin (beeindruckend die hübsche Carice van Houten!) in die Lage für die eigenen Landsleute zu spionieren. Sie gerät ins Zwielicht von Nazihure oder nationaler Agentin, Kollaborateurin oder Widerstandkämpferin. Es entwickelt sich ein spannender Anti-Kriegsfilm mit viel Sex und Blut. Beide Seiten werden beleuchtet und es zeigt sich, dass nicht nur ideologische Gründe das Motiv zum Handeln sind. Hier wie da ist es die Gier, die die Akteure antreibt. Gier nach Reichtum, nach Sex, und nach Macht. Mit überraschenden Wendungen wird gekonnt an der Spannungsschraube gedreht. Man erkennt, dass man in solchen Zeiten niemandem trauen darf. Und auch das titelgebende Buch taucht erst ganz am Ende auf. Spannung pur, die auch noch Sinn macht.
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Mo, 04.01.2010
TV | An ihrer Seite
Ein Bär kommt über den Berg4 Sterne
Der deutsche Titel und der des Originals verdeutlichen die ganze Bandbreite der Problematik mit Alzheimerpatienten. Je nach Blickwinkel will man ’an der Seite’ des geliebten Menschen bleiben und ist doch genau genommen ’ewig weit weg von ihm’, weil er gedanklich in einer anderen Welt lebt. Es ist ein beachtenswertes Regiedebüt von Sarah Polley, die wir bis dato nur als tolle Schauspielerin kannten. Sie hat einen sehr emotionalen aber auch informativen leisen Film abgeliefert, der auf äußerst einfühlsame Weise die Situation von beiden Seiten der Betroffenen beleuchtet und darüber hinaus auch noch ein Signal der Hoffnung setzt. Man erlebt die unerwarteten Krankheitsschübe, die Hilflosigkeit der Angehörigen, aber auch deren Unmut, wenn alles etwas zuviel wird. Ein Winterfilm, nicht nur in Bezug auf die Jahreszeit, in der er spielt, sondern er betrifft auch den Winter des Lebens. Julie Christie in einer ihrer beeindruckendsten Altersrollen.
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So, 03.01.2010
TV | Head in the Clouds
Kopf in den Wolken4 Sterne
Der deutsche Titel trifft eigentlich nur auf die erste Hälfte des Films zu, denn da treibt Charlize Theron ihre Spielchen mit den Männern. Und auch der Originaltitel ’Kopf in den Wolken’ ist zwar recht blumig, geht aber am Kern des Films vorbei. Denn es ist schon gut gemacht wie Regisseur John Duigan aus dem lockeren Lotterleben der dreißiger Jahre die Kurve kriegt zu einem spannenden Agententhriller, der vom Spanischen Bürgerkrieg bis hin zum von den Deutschen besetzten Paris spielt und die Resistance thematisiert. Und Charlize Theron beweist wieder einmal, dass sie nicht nur eine der schönsten Frauen der Welt ist, sondern eine erstklassige Schauspielerin mit Charakterstärke. Gelungen scheint mir auch der Schluss: man weiß, aber muss nicht sehen.
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Sa, 02.01.2010
TV | The Good Girl
Provinz oder weite Welt3 Sterne
Der Film nimmt uns mit in die triste Eintönigkeit der Provinz, wo nichts passiert, alles in festen, immer gleichen Bahnen abläuft und nur Gerüchte die spießigen Geister hin und wieder aufschrecken. Wenn man hier nicht wegkommt, um hinter dem Horizont die grenzenlose Freiheit zu finden, ergeht es einem so wie Justine (Jennifer Aniston) - hier überraschend anders. Sie wird zur Ehebrecherin, Hure, Komplizin bei einem Verbrechen und mitschuldig am Tod eines Freundes. Aber wie der Titel klarstellt, ist sie im Grunde „ein braves Mädchen“. Aus dieser kognitiven Diskrepanz bezieht der Film seine Spannung und erregt Anteilnahme für Justine, eine klassische Anti-Heldin. Es ist ein unterhaltsames Gesellschaftsdrama auch mit ironischen Facetten, das mit seiner Ehrlichkeit besticht und mit seiner Hoffnungslosigkeit überzeugt.
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Fr, 01.01.2010
TV | Lady Chatterley
Die Lady und der Wildhüter5 Sterne
Die beste weil werkgetreueste Lawrence-Verfilmung, die es bisher gibt - zu Recht mehrfach césarprämiert. Mit großer optischer und sinnlicher Intensität und viel Einfühlungsvermögen werden die drei Grundintentionen der literarischen Vorlage sehr gut in Szene gesetzt: die sexuelle Befreiung der Frau in den zwanziger Jahren, dann die Überwindung der gesellschaftlichen Standesunterschiede und die generelle Stellung von Mann und Frau zueinander. Regisseurin Pascale Ferran gibt ihrer französischen Fassung den Titel Lady Chatterley und der Mann aus den Wäldern. Das ist der Grundkonflikt. Man sollte aber auch die lawrencesche Betonung des gesunden Lebens in der Natur nicht übersehen. Dazu gehört halt auch eine natürliche Sexualität. Die Atmo spiegelt die des Romans sehr genau wieder, das Ambiente passt und die Sexszenen werden - im Gegensatz zu mach anderem Machwerk - mit wunderbarer Leichtigkeit dargestellt. Das liegt zum Teil auch an den beiden weitgehend unbekannten Protagonisten Marina Hands und Jean-Louis Coulloc’h. Der Zuschauer wird nie zum Voyeur, eher genussreich ins Geschehen mit hineingezogen und nach dem abschließenden, längeren Dialog zum Weiterdenken angeregt.
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Do, 31.12.2009
TV | Finding Neverland - Wenn Träume fliegen lernen
Wo ist Nirgendwoland1 Stern
Trotz der prominenten Besetzung, darunter einige meiner Lieblingsschauspieler bleibt der Film auf wundersame Weise trocken. Die weltberühmten Mimen können ihr schauspielerisches Talent überhaupt nicht ausspielen. Auch die stellenweise Massage der Tränendrüse bleibt letztlich ohne Wirkung. Als Märchen für Kids wie für Erwachsene kann der Film wohl kaum eine der Zielgruppen überzeugen. Das Beste ist noch der Titel. Gegen Ende wird dann die Schmerzgrenze allerdings noch überschritten, wenn Johnny Depp und die todkranke Kate Winslet händchenhaltend auf dem Sofa sitzen und sie dann gemächlich mit langer Schleppe ins Neverland schreitet. ( American Kitsch!) Julie Christies muss eine undankbare Rolle als böse Mutter spielen, die dann gezwungenermaßen am Ende einknickt. Alles vorhersehbar, langweilig, kein eindrucksvolles Denkmal für den Erfinder von Peter Pan - aber deswegen haben wir uns den Film doch eigentlich angeschaut…
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Sa, 26.12.2009
TV | La vie en rose
Ein Leben wie eine Rose3 Sterne
Der ganze Lorbeer für diesen Film gebührt allein der Hauptdarstellerin Marion Cottillard. Es gelingt ihr die innere Zerrissenheit der Piaff deutlich zu machen. Ihre permanente Suche nach Glück und Geborgenheit, ihre grosse Klappe, mit der sie viele verprellt hat und die Flucht in Drogen zeigen eine Persönlichkeit, die verunsichert ist, aber auch halsstarrig und spröde. Leider zerreißen die recht willkürlich gewählten Schnitte die Handlungsebenen und verhindern das Eintauchen in die Lebenssituation der Hauptfigur. Der Zuschauer bleibt emotional außen vor, obwohl er schon gefühlsmäßig angesprochen werden soll. Nur die klassischen Evergreens der Piaff erwärmen sein Herz. Der körperliche Verfall kommt ziemlich plötzlich und scheibchenweise etwas konfus daher. Trotzdem nicht nur für Fans des französischen Chansons.
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Fr, 25.12.2009
TV | Merry Christmas
Fröhliche Weihnachten3 Sterne
Egal ob die Verbrüderung am Heiligen Abend an der Front im 1. Weltkrieg so oder so ähnlich stattgefunden hat oder nicht. Mit oder ohne Fußballländerspiel. Man kann es auch als Fabel verstehen. Musik wirkt friedensstiftend und die eingebaute Liebesgeschichte lässt das Thermometer bei hartem Frost in die Höhe schnellen. Doch manchmal sind die Dialoge etwas hölzern, weil hier die üblichen Antikriegsthesen abgearbeitet werden. Dann bleiben die Gespräche an der Oberfläche und betreffen all zu Offensichtliches. Auffallend die machterhaltende Rolle der Kirche im Krieg. Der Film spielt mit den Emotionen der Zuschauer, greift Bauch und Herz an und kurz bevor er im Kitsch ertrinkt, kriegt er noch die Kurve der Ernüchterung die besagt ’ach so schön kann es doch nicht gewesen sein’. Trotzalledem ein echter Weihnachts- und Antikriegsfilm, in dem deutlich wird, dass nur der kleine Mann den Kopf hinhalten muss und der hat eigentlich nichts gegen den angeblichen Feind im Felde.
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Mi, 23.12.2009
TV | Closing the Ring - Geheimnis der Vergangenheit
Der Kreis schließt sich3 Sterne
Richard Attenborough erzählt eine Geschichte, die vom zweiten Weltkrieg bis in die Jetzt-Zeit reicht und in der auch noch die IRA ihre blutige Rolle spielt. Eine Liebesgeschichte steht im Mittelpunk, die recht anrührend ist - nicht nur wegen Shirley MacLaine und Christopher Plummer. Die Art, wie sie erzählt wird, erzeugt sogar ein gewisses Maß an Zuschauerinteresse, bis wir letztendlich über die wahren Umstände der lebenslang verhinderten Trauer aufgeklärt werden. Die doppelte Symbolik des Originaltitels des wiedergefundenen Rings eines gefallenen Soldaten und die Assoziation, dass sich der Kreis (Ring) dann am Ende schließt, machen die Qualität des Films aus. Eines der menschlichen Dramen, deren Autoren Krieg und Zerstörung heißen.

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