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Di, 06.04.2010
TV | Angel - Ein Leben wie im Traum
Traurig im Paradies2 Sterne
Es ist schon ein heftiger Kostümschinken. Dabei sollte es doch um den Aufstieg und Niedergang einer Trivialschriftstellerin (Romola Garai) gehen, die aus bescheidenen Verhältnissen kommt und sich in einen nicht anerkannten Maler quasi als Antipode verliebt, der sie später betrügt. Viele Themen werden angesprochen: die Weltkriegsproblematik: Held oder Pazifist. Macht der Wohlstand satt und träge? Kann man Glück kaufen oder es wenigstens festhalten? Ein außereheliches Kind taucht auf. Krankheit und Selbstmord lassen sich nicht verhindern, ebenso wenig wie Einsamkeit. Alles bleibt letztlich doch an der Oberfläche der monomentalen Ausstattung hängen und hinterlässt einen herben Geschmack. Man pilchert von Event zu Event. Immerhin war ja ganz schön was los in diesem tristen Leben in einem Dornröschen-Schloss, das ’Paradies’ heißt. Vielleicht leben ja Schriftsteller so abgehoben von der Realität, leiden am schuldlos selbstverschuldeten Unglück.
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Di, 06.04.2010
TV | Die Teuflischen
Das Biest muss sterben4 Sterne
Der Zuschauer sieht den Mord von der Vorbereitung bis zur Ausführung und die Spannung bleibt. Erst besteht sie weiterhin wegen der beiden unterschiedlichen Frauen (toll die Signoret und die Clouzot). Mal zögert die eine, mal droht die andere das Ganze abzubrechen. Eine krank und schwächlich, die andere robust und willensstark. Mit dem Auftauchen des alten, äußerst liebenswerten Kommissars entsteht ein neues Spannungsgeflecht, bei dem man der Aufklärung entgegenzittert, weil man ahnt und immer mehr Gewissheit bekommt. Und dann am Ende die überraschende Wende, nachdem unsere Nerven aufreibend strapaziert worden waren mit quietschende Türen und raffiniertem Licht- und Schattenspiel. Diese Wende diente mehreren anderen Krimis als Vorlage: innerhalb eines Trios entsteht ein Mord und die beiden Übriggebliebenen werden aus Gegenspielern zu Verbündeten, die ein abgekartetes Spiel geplant hatten.
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Fr, 02.04.2010
TV | Fromme Lüge
April3 Sterne
Der deutsche Titel ist ganz schön provokativ im Gegensatz zum Original. Da hat man einfach den Vornamen der Novizin genommen ’Avril’. Besser als manch anderer Film, der dieses Thema behandelt wird hier sachte aber beharrlich darauf hingewiesen, das das wahre Leben doch nicht hinter Klostermauern stattfindet. Neben dem einfachen Vergleich kommen hier noch eine heimliche Mutterschaft und eine Geschwistersuche hinzu. Vierfünftel des Films bieten brauchbare Unterhaltung. Es wird nachvollziehbar dargestellt in welcher Rückständigkeit eine erwachsene Frau lebt, die die Realität der Außenwelt zum ersten Mal erblickt, ohne die Sinnfrage übermäßig zu strapazieren. Nach überraschenden Wendungen treibt es den Film auf der Zielgrade in eine sowohl optisch als auch sinnvoll ansprechende Richtung. Doch dann überdreht er und zerschlägt damit viel bis dato geschaffenes, glaubwürdiges Porzellan.
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Fr, 02.04.2010
TV | Rückkehr der Störche
Versuchte Wurzelsuche2 Sterne
Die Doppelbedeutung des Titels wirkt ein wenig aufgesetzt. Da genügen ein, zwei Sätze der Oma nicht, um ihre eigene Rückkehr mit der der Störche zu vergleichen. Außerdem gelingt es nicht, irgendeinen Tiefgang zu erreichen. Man kann das Bemühen des Regisseurs zwar spüren; aber es bleibt beim Versuch. Die Handlung streicht so an der Oberfläche entlang, die Figuren bleiben blass und was so als Pseudo-Roadmovie daherkommt kann letztendlich nicht überzeugen. Man hat da eine ganze Menge hineingestopft, was unausgegoren ist: Flüchtlinge, Selbstfindung, Liebe, mal ein Leben lang mal im Wechsel, selbst die Mafia wird bemüht. Aber das Schlimmste ist das verquaste Happy End, das weder Zuschauer noch Akteure zufrieden stellt.
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Di, 30.03.2010
TV | Blood Diamond
Leo im Chaos3 Sterne
Edward Zwick hat ein ganz passables Drama über Blutdiamanten und Kindersoldaten abgeliefert. Es kracht oft und lange in diesem Streifen und Leo rennt unbeschadet durch Explosionen und Feuergefechte, ohne vorerst! ernsthaft verletzt zu werden. Man sieht das Chaos in Afrika, spürt die permanente Unsicherheit und erfährt etwas über die vielen Parteien, die hier viel Geld verdienen. Die Botschaft des Films versucht die Realität wieder zu spiegeln : es wird immer so weiter gehen; daran lässt sich leider nichts ändern; die Kleinen bleiben auf der Strecke und die Großen machen sich nicht die Finger schmutzig, die sahnen nur kräftig ab. Und manche Kleine wie Leonardo di Caprio erliegen dann doch dem Trugschluss, sie seien die Größten. Ein insgesamt lohnender Blick auf Afrika, wenn auch durch die Hollywood-Brille etwas geschönt. Bis auf die überflüssige, herbe Love Story geht alles dann eigentlich doch viel zu glatt.
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Fr, 26.03.2010
TV | Vier Minuten
Zucht und Ordnung kontra Genie5 Sterne
Es ist einer der besten deutschen Spielfilme der letzten Jahre. Mit zwei überragenden Hauptdarstellerinnen (Monica Bleibtreu, Hannah Herzsprung), die sich als Antipoden ergänzen und an einander reiben. Beide agieren auf Augenhöhe und beide leiden unter ihrer Vergangenheit. Mit ungeheuerer Vitalität und Lebenskraft tritt die eine auf, die mit ihrer brachialen Gewalt auch vor Selbstverstümmelung nicht Halt macht. Die andere kommt mit dem preußischen Ideal von Zucht und Ordnung daher. Ihre raue Schale offenbart schon bald den weichen Kern. Dabei geht es aber doch eigentlich um Musik! Das Geniale ist aber nicht nur der schlichte Titel, der nur dem etwas sagt, der den Film gesehen hat, sondern die zweite Ebene, die bis in die NS Vergangenheit zurückreicht. Und drittens gibt es so ganz nebenbei eine kritische Schilderung der Zustände in Strafvollzug. Und - das ist bei diesem ernsten Thema wirklich erstaunlich - es gibt komische Szenen zum Lachen. Und dann das furiose Finale! So eine Musik hat man so bisher noch nie gehört. Chris Kraus hat seiner Klavierlehrerin mehr als nur ein Denkmal gesetzt. Geschliffene Dialoge treffen oft ins Schwarze, wie z. B. bei der Begegnung vor dem entscheidenden Konzertauftritt: Vater: „Ich wünsche dir viel Glück Jenny.“ Jenny: „Ich wünsche, dass du bald stirbst.“ Die Ausdruckskraft überwältigt und die emotionale Tiefe schafft Ergriffenheit bis an den Rand der Taschentuchbox.
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Do, 25.03.2010
TV | Ichi - Die blinde Schwertkämpferin
Die schöne Amazone2 Sterne
Konventionell erzählt und spannungsarm auch weil die Kampfszenen nicht überzeugen. Die Tatsache, dass die Hauptfigur nicht sehen kann, kommt nur unzureichend rüber. Da gibt’s Besseres. Ichi ist halt nur schön. Ihre Geschichte beinhaltet nichts Ungewöhnliches. Ebenso wie die ihres Partners, der anfangs ziemlich dämlich daherkommt und erst am Ende ein gewisses Format erlangt. Optisch überzeugen nur einzelne wenige Einstellungen, andererseits liegt viel im Dunkeln. Eine allgemein übliche Samurai-Story: einer soll für ein Dorf kämpfen. Alles läuft viel zu glatt. Die einzelnen Charaktere bleiben blass und die Welt ist klar geteilt in Gut und Böse. Das vorhersehbare Ende gerät dann doch etwas zu melodramatisch. Und genau wie der kleine Junge, der zuvor das seltsame Trio vervollständigte, und der Ichi am Ende nachwinkt, während sie hinter den Hügeln verschwindet, weinen wir ihr keine Träne nach.
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Mo, 22.03.2010
TV | Die Fremde in dir
Eine Frau sieht rot4 Sterne
Es ist kein echtes Remake des Films mit Charles Bronson, denn dieser Film hat noch einige Dimensionen mehr. Abgesehen von der Gewaltschiene, die auch hier mit der Zustimmung der Zuschauer rechnen kann, ist er viel emotionaler gestaltet, was vor allem Jodie Foster transportiert. Sie schafft den Spagat zwischen reaktivem Racheengel und dem gefühlsbetontem Bewusstsein der Kriminalität des eigenen Handelns. Mit guten, schnellen Rückblenden als Wiederholung und Verstärkung der Handlung, unterlegt mit einem sehr melodiösen Titelsong, der bewusst eingesetzt wird und die Grausamkeit etwas abfedert, verfolgt man ihr Zusammengehen mit dem ermittelten Detektiv Terrence Howard, eigentlich ihr Gegenspieler. Aber Parallelen treffen sich eben in der Unendlichkeit. Eine überraschende Wende am Ende bringt eine Lösung, die jeden zufrieden stellen könnte. Gemäß dem Originaltitel ist Jodie übrigens ’Die Mutige’.
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Mo, 22.03.2010
TV | Eine wahre Geschichte - Straight Story
Alvin und Lyle4 Sterne
Bereits die stimmungsvolle Einführung weist den Weg, wo’s lang geht. Wir tauchen in eine stille, ländliche Idylle, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Die Kamera schaut sich um. Nach und nach sehen wir skurrile Typen, schrullig aber liebenswürdig. David Lynch zeigt sich hier mal von einer ganz anderen Seite. Dieses leise Roadmovie überrascht und überzeugt zugleich mit einer Grundidee, die so genial wie einfach ist. Alvins Abenteuer sind abwechslungsreich und zielgerichtet: wir erwarten das Wiedersehen zweier, alter Querköpfe. Doch bis es soweit ist und die beiden Brüder(Richard Farnsworth und Harry Dean Stanton) sich mittels Gehhilfen gegenüberstehen passiert allerlei - vielleicht zu wenig für Action-Fans. Letztendlich beschließt ein Mann einen noch offenen Zyklus in seinem Leben zu schließen, bevor es Zeit wird, diese Welt zu verlassen. Er tut das ruhig, mit der Beharrlichkeit und der Würde des Alters entgegen allen Unkenrufen der Vernünftigen.
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So, 21.03.2010
TV | Five Fingers
Fingerspiele2 Sterne
Die Spannung bezieht der Film aus der blutrünstigen Grausamkeit (Bei dem Titel kann man ahnen, worin die Folter besteht!) und der Ungewissheit, in der der Zuschauer lange gelassen wird, was der Grund für die furchtbare Verstümmelung sein könnte. Man vermutet im Laufe der Handlung, dass die clichéhaften Vorstellungen vom guten Europäer, der sich stets für eine ehrenwerte Sache einsetzt und den bösen Arabern, die fundamentalistisch verbohrt zu jeder Brutalität bereit sind, nicht mehr greifen. Die äußerst knappe Auflösung, die dann am Ende kommentarlos und blitzschnell an uns vorbeiflimmert, bleibt einige Antworten schuldig und hinterlässt den Eindruck eines irgendwie unvollendeten Werkes. Auch wenn man es noch schafft den ’Schwarzen Peter’ dem richtigen zuzuschieben.

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