Mo, 22.03.2010TV | Eine wahre Geschichte - Straight StoryAlvin und LyleBereits die stimmungsvolle Einführung weist den Weg, wo’s lang geht. Wir tauchen in eine stille, ländliche Idylle, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Die Kamera schaut sich um. Nach und nach sehen wir skurrile Typen, schrullig aber liebenswürdig. David Lynch zeigt sich hier mal von einer ganz anderen Seite. Dieses leise Roadmovie überrascht und überzeugt zugleich mit einer Grundidee, die so genial wie einfach ist. Alvins Abenteuer sind abwechslungsreich und zielgerichtet: wir erwarten das Wiedersehen zweier, alter Querköpfe. Doch bis es soweit ist und die beiden Brüder(Richard Farnsworth und Harry Dean Stanton) sich mittels Gehhilfen gegenüberstehen passiert allerlei - vielleicht zu wenig für Action-Fans. Letztendlich beschließt ein Mann einen noch offenen Zyklus in seinem Leben zu schließen, bevor es Zeit wird, diese Welt zu verlassen. Er tut das ruhig, mit der Beharrlichkeit und der Würde des Alters entgegen allen Unkenrufen der Vernünftigen. | |
So, 21.03.2010TV | Five FingersFingerspieleDie Spannung bezieht der Film aus der blutrünstigen Grausamkeit (Bei dem Titel kann man ahnen, worin die Folter besteht!) und der Ungewissheit, in der der Zuschauer lange gelassen wird, was der Grund für die furchtbare Verstümmelung sein könnte. Man vermutet im Laufe der Handlung, dass die clichéhaften Vorstellungen vom guten Europäer, der sich stets für eine ehrenwerte Sache einsetzt und den bösen Arabern, die fundamentalistisch verbohrt zu jeder Brutalität bereit sind, nicht mehr greifen. Die äußerst knappe Auflösung, die dann am Ende kommentarlos und blitzschnell an uns vorbeiflimmert, bleibt einige Antworten schuldig und hinterlässt den Eindruck eines irgendwie unvollendeten Werkes. Auch wenn man es noch schafft den ’Schwarzen Peter’ dem richtigen zuzuschieben. | |
Sa, 20.03.2010TV | JunikäferDer HeimkehrerDas Aufeinandertreffen von Kunstexperten und Hinterwäldlern von Hauptstädtern und Dörflern ist das Thema dieser sensiblen Sozialstudie. Ein aufgeklärtes Pärchen trifft auf fundamentalistische Gläubige. Und das alles fokussiert sich in einer Familie, in deren Schoss der älteste frisch vermählte Sohn zurückkehrt. Wir sehen ein sehr komplex gestaltetes Bild von einfühlsam gezeichneten, äußerst liebevoll dargestellten Charakteren. Eigentlich passiert nichts besonders Aufregenden - wenn man mal von der Geburt des titelgebenden Babys absieht. Aber das ist Anlass genug, um über Tradition, das Eingebundensein in eine Gemeinschaft und das eigene bisherige Leben nachzudenken. Es ändert sich auch nicht viel, nur die Verunsicherung der einzelnen Personen bringt die Brüchigkeit der liebgewonnenen Wertvorstellungen ans Tageslicht. Aus dem Ensemble ragt besonders Amy Adams heraus. Ihr soziales Umfeld reagiert mal besorgt, mal ruppig, aber auch humorvoll. | |
Do, 18.03.2010TV | Borderline - Kikis StoryGrenzgängerWer von Psychologie Ahnung hat, verfolgt den Film unter dem Aspekt der Verifizierung. Er erkennt dabei, dass hier ein Fall geschildert wird, der ein schwer zu fassendes Phänomen beschreibt. Kiki sagt, sie habe Hiroshima im Kopf, sie sei eine Bombe. Tatsache bleibt, dass sie in ihrer Liebes- und Sexsucht das zerstört, was sie liebt und wenn sie verlassen wird, klammert sie wie besessen. Sie kennt keine Grenzen beziehungsweise überschreitet ständig welche, beschränkt sich nie selbst und ist dabei trotzdem fürchterlich einsam und unendlich traurig. Auch der permanente Sex um den sie ständig buhlt, ihn aber auch zurückweist, bringt für sie keine (Er)lösung. Eine ergreifende Studie, in der auch die tragische Vorgeschichte eingeblendet wird, wobei Kiki in den Überblendungen quasi die Stafette weiterreicht, indem sie als die eine aus dem Bild geht und als eine ältere übernimmt. Gute Bilder, technisch gekonnt gemacht und eine ganz tolle Isabelle Blais als Kiki. | |
Di, 16.03.2010TV | Die WahrheitCirce oder PenelopeEiner der wenigen Filme, in denen die Bardot zeigen konnte, dass sie mehr zu bieten hatte als Schmollmund und üppige Oberweite. Sie zeigt eine beachtenswerte, schauspielerische Leistung. Die Handlung ist ihr allerdings auch auf den Leib geschrieben. Und Regisseur Clouzot hat sie als männerverschlingender Vamp ganz toll in Szene gesetzt. Sie verliert den Kampf zwischen der einzig großen, wahren Liebe (Sami Frey) und wechselnden One-night-stands. Vielleicht die wahre Tragik ihres eigenen Lebens. Dabei wird die Wahrheit immer unwichtiger, ob sie vorsätzlich gemordet hat oder im Affekt, ob sie von ihrem Geliebten dazu getrieben wurde, als er sie zurückwies oder ob sie sich an der verhassten aber erfolgreichen Schwester rächen wollte. Immer mehr rücken die spitzfindigen Rededuelle von Verteidiger und Staatsanwalt in den Mittelpunkt und lassen den eigentlichen Fall vergessen. Was in Erinnerung bleibt ist nur eine tolle Brigitte Bardot. | |
Di, 16.03.2010TV | Das perfekte VerbrechenBeweisen Sie's Herr StaatsanwaltDas Gesicht von Anthony Hopkins beherrscht die Szene von Anfang an. Er kann so einmalig freundlich und zugleich gefährlich dreinblicken. Außerdem ist das Interessante an diesem Film noch die Story: der Zuschauer kennt Mörder und Opfer. Man fragt sich nur, wie man es juristisch wasserdicht beweisen kann. Und dann halten noch unvorhersehbare Wendungen die Spannung hoch. Aber auch einige aus der Logik herausbrechende Nebenhandlungen schaffen Verwirrung. Und auch die Figur der äußerst attraktiven Rosamund Pike ist lediglich nur schmückendes Beiwerk. Letztlich ist es eine Auseinandersetzung zwischen einem jungen, ehrgeizigen Aufsteiger der Jurisprudenz (Ryan Gosling) und einem alten, genialen, wohlsituierten, hintergangenen Ehemann. Der Originaltitel ’Bruch’ bezieht sich wohl auf die Ehe der ungleichen Partner. Wir bleiben aber weiterhin auf der Suche nach dem perfekten Mord. | |
Fr, 12.03.2010TV | Der Mann ohne VergangenheitSuche nach VorgesternNach dem Gedächtnisverlust wird die Suche nach seinem früheren Leben teils komisch, teils sonderbar geschildert. Zufälle wechseln sich ab mit überraschenden Wendungen. Skurrile Typen kreuzen seinen Weg. Und immer agieren die Figuren in stoischer, emotionsloser Unnatürlichkeit, steif wie Wesen von einem anderen Stern. Da gibt es kein Lächeln, keinen Freudenschrei. Man trifft sich, gibt sich die Hand, redet kurz mit einander und geht wieder seiner Wege. Der Zuschauer kann sich voll und ganz auf Handlung und Dialoge konzentrieren, er wird durch nichts abgelenkt. Diese Darstellungsweise macht wohl der Kultstatus von Kaurismäki aus. Wenn man sich darauf einlässt, kommt ein Gewöhnungsprozess in Gang, der dann auch den latenten, subtilen, herben Charme des finnischen Films zu Tage fördert, der sogar ein Happy End zulässt. Das nur angedeutet wird und durch einen durchs Bild rollenden Güterzug aus unserem Blickfeld entschwindet. | |
Fr, 12.03.2010TV | LampedusaLuft zum atmenLangezeit schwankt der Film zwischen Lausbubengeschichten in Süditalien und einer etwas sonderbaren Mutter Grazia, die den Ehemann ratlos macht und die Dorfgemeinschaft verunsichert. Wunderschöne, helle Bilder zeigen humorvolle oder auch typisch sexistische Szenen vom Landleben in einer kleinen Gemeinde. Je länger aber Grazia in den Mittelpunkt rückt, desto öfter sehen wir die bildgewordenen Wünsche und Sehnsüchte einer Frau, die auf der Suche ist. Sie will aus dem Alltag ausbrechen, weg von Mann und Familie. Stellenweise wirkt sie wie eine Frau auf dem Selbsterfahrungstrip, mit Hang zum Ungewöhnlichen, dem Außerordentlichen, das den übrigen Dörflern nie in den Sinn kommen würde. Und dann wird uns ein Schluss angeboten, der sich von allem bisher gesehenen deutlich absetzt. Crialese-mäßig eben! So wunderschön, dass man die angesprochene Problematik dabei völlig vergisst und nur noch einen tiefen Atemzug rauslässt ’Respiro’(Originaltitel). | |
Do, 11.03.2010TV | Der Samurai, den ich liebteDie unsichtbare LiebesgeschichteEigentlich sind es ja immer die unerfüllten Liebesgeschichten, die in Erinnerung bleiben. So wie in Dr. Schiwago, Désirée oder in Orfeu Negro. Hier erschweren dies einem vor allem aber drei Dinge: die Thematik der Geschichte ist uns etwas fremd - und zwar im wörtlichen Sinne (sie spielt im Japan des 19. Jahrhunderts, in dem Clans herrschen und Harakiri befehlen können). Dann wird eine Liebesgeschichte erzählt, die man nicht sieht - erst am Ende treffen die beiden Liebenden aufeinander und beklagen emotionslos ihr verpasstes Glück. Und schließlich wird in äußerst epischer Breite mit langen Einstellungen erzählt. Ein Zeitphänomen des Fernen Ostens, das man in der übrigen Welt kennt. Ebenso wie die eindrucksvollen Bilder, die uns in eine Welt entführen, der man staunend gegenübersteht, wenn man sich denn die Zeit dafür nimmt. | |
Mi, 10.03.2010TV | Das Haus am MeerGefühlskino purDer Film ist nur etwas für diejenigen, die sagen ’Ach das Leben ist so schon schlimm genug, schau ich mir was Schönes an und vergesse den grauen Alltag.’ Ab ins Wolkenkuckucksheim, wo alles nur Friede, Freude, Eierkuchen ist. Und alles mit ganz viel Gefühl! (Taschentuch nicht vergessen.) Eine schöne neue, amerikanische Welt, in der jedes Problem sofort gelöst wird, kaum dass es auftaucht. Und die Solidarität der Nachbarn kennt keine Grenzen - nicht einmal vor der Bettkante. Der einzig gelungene Aspekt ist die Annäherung zwischen Vater (Kevin Kline) und seinem unmöglichen halbwüchsigen Sohn. Da stimmen Dialoge und Darstellungsweise. Doch dann zerfleddert sich das im weiteren Verlauf zwischen anderen Eheproblemen, einem ewigen Hin und Her und einem Nachbarschaftskrieg. Die schöne Metapher des Hausbaus ist die Basis für ’Leben als Haus.’(Originaltitel) Was wohl jeder einmal in seinem Leben gemacht haben sollte!? | |
Di, 21.05.2013 von 8martin
Von den zahllosen Filmen die Jack the Ripper thematisieren ist der hier von den Brüdern Hughes ... mehr
Di, 21.05.2013 von 8martin
Wer hätte das gedacht, dass am Anfang von Spielbergs Karriere eine Sozialgroteske steht. Bereits ... mehr
Mo, 20.05.2013 von mwpad
...war das der Brüller. Doch die heutigen Familien-Filme haben andere Nivau-Höhen. Viel zu ... mehr
Mo, 20.05.2013 von 8martin
Man kann die vielen inhaltlichen Anleihen ebenso vernachlässigen wie die bekannten Assoziationen ... mehr
Mo, 20.05.2013 von 8martin
Der von der Kritik erwähnte Vergleich mit Kurosawas ‘Rashomon‘(1950) ist sehr weit hergeholt ... mehr